Die Enttäuschung nach dem Ausscheiden im Halbfinale war bei Lisa und Sarah schon ziemlich groß. Sie hätten sich gerne in Bestform im A-Finale gezeigt und um die Medaillen mitgekämpft. Allerdings hatten beide zum einen mit den teilweise unfairen Windbedingungen der Amsterdamer Bosbaan zu kämpfen. Zum anderen waren sie von einem im DRV-Lager grassierenden Magen-Darm-Katarrh betroffen. Zwei Tage später waren dann Frust und Virus abgeschüttelt und beide wollten im B-Finale zeigen, was in ihnen steckt. Die Gegnerinnen kamen aus Großbritannien, Frankreich, Athletinnen internationaler Nationen, Ukraine und Litauen. Die Siegerinnen waren am Ende die Britinnen in 6:47:30, rund 2 Sekunden dahinter kam der deutsche Doppelzweier als Zweiter ins Ziel (6:49:42). Lange Zeit mussten Lisa und Sarah allerdings gegen die vor ihnen liegenden Französinnen ankämpfen, bis sie diese dann auf den letzten 500 Metern niederkämpfen konnten (6:50:64). In der Gesamtrechnung bedeutet das Rang acht. Für die auf der Tribüne versammelten HRK-Fans war es ein Fest. Und die beiden Ruderinnen zeigten sich nach dem Rennen gut gelaunt, anders ließ sich das Lächeln auf beiden Gesichtern nicht deuten.

„Wir haben jetzt im DRV auch einen guten Doppelzweier. Nach vier Monaten Training der achte Platz von 19 Booten bei der WM, das kann sich sehen lassen. Heute hat die Mannschaft die Motivation gefunden, Frankreich im Endspurt und auch AIN zu schlagen, die bei der EM noch vor uns waren. Das Rennen war zu 99 Prozent perfekt, ich freue mich“, sagte Bundestrainer Marcin Witkowski.

Am Sonntag gab es für Lisa und Sarah einen guten WM-Abschluss im Mixed-Achter. Sie belegten den insgesamt fünften Platz. Sieger wurde Rumänien, die Niederlande schnappten den USA mit dem letzten Schlag zur Freude der heimischen Fans noch Silber weg.

Lisa Gutfleisch Fazit fiel dann auch positive aus:“ Für uns im Doppelzweier war es eine erfolgreiche WM. Wir haben nach nur 4 Monaten gemeinsamem Training das Beste aus jedem Rennen gemacht und sind in einem so starken Feld mit dem 8. Platz sehr zufrieden. Das letzte Rennen war dann auch das Beste der ganzen Saison“.

In der Medaillen-Gesamtwertung kletterte Deutschland mit drei Gold- und zwei Silber-Medaillen auf den zweiten Platz hinter dem sehr erfolgreichen Gastgeber Niederlande (4-3-3) und vor den USA (3-0-6). Dazu trug das Para-Team mit zwei Goldmedaillen wesentlich bei. Der Männer-Doppelvierer holte mit Silber die zweite Medaille im olympischen Bereich. Für den Leichtgewichts-Doppelzweier gab es ebenfalls Silber.

Die erheblichen Probleme mit unfairem Gegenwind von der Seite setzten sich am Schlusstag auf der Regattastrecke Bosbaan nicht fort. Die letzten A-Finals waren nicht beeinträchtigt. Die Titelkämpfe in Amsterdam waren trotzdem sehr stimmungsvoll. Die WM 2027 wird in Luzern auf dem Rotsee ausgefahren.

Die Bilanz von DRV-Sportvorstand Robert Sens:

„In der Breite sind wir mit dem Abschneiden hier in Amsterdam sehr zufrieden, es gab tolle Leistungen in den Klein- und Mittelbooten. Aber klar, wir hätten schon gerne drei Medaillen im olympischen Bereich gehabt. Das haben wir nicht geschafft, jetzt sind es zwei wie im vergangenen Jahr. Dennoch: Es geht nach vorne, die Richtung stimmt zur Halbzeit des olympischen Zyklus. Aber es gibt keinen Grund, nachzulassen, wenn man sieht, wie alle Nationen Vollgas geben. Unsere Paras sind Weltspitze, das ist toll. Das gilt auch für unser Auftreten als Team, wie man miteinander umgeht und jeder den anderen unterstützt. Wir wollen Weltklasse auf allen Positionen sein, vom Bootsfahrer bis zum Ruderer – und diesem Ziel rücken wir immer näher.“

Das Fazit von Cheftrainer Marcus Schwarzrock:

„Wir haben eine gute Gesamt-Entwicklung gesehen. Wenn diese Woche die Olympia-Qualifikation gewesen wäre, hätten wir zehn von zwölf Quotenplätzen gehabt. Der zweite Platz im Medaillen-Ranking ist auch ein guter Erfolg für uns. Trotzdem ist die Zahl der Medaillen noch ein bisschen dünn, da müssen wir nachlegen in den beiden nächsten Jahren. Für die nächste, vor-olympische Saison (Anm.: die Ruder-WM in Luzern als Qualifikation für die Spiele in Los Angeles) müssen wir überlegen, wie wir das strategisch angehen: auf die Breite gehen, um möglichst viele Boote zu qualifizieren? Oder in die Spitze gehen, um Boote weit nach vorne zu bringen? Das werden wir besprechen.“

Text + Fotos:           Thomas Palm