Heidelberger Ruderklub 1872 e.V.

Jugendtrainer beim HRK: Von europäischen Rugbyvereinen lernen

Der Heidelberger RK geht bei der Weiterentwicklung seiner Jugendarbeit neue Wege: Mit dem Projekt „Rugby4All – Mobility for Inclusive Skills“ (RAMIS) nimmt der Verein erstmals am europäischen Förderprogramm Erasmus+ Sport teil.

Bis Ende November 2027 erhalten Jugendtrainer und weitere Engagierte des HRK die Möglichkeit, bei erfahrenen Rugbyvereinen in Europa zu hospitieren, deren Arbeit kennenzulernen und neue Ideen nach Heidelberg mitzubringen.

Dabei geht es ausdrücklich nicht um eine Förderung von Mannschaftsreisen oder Wettkampfteilnahmen. Im Mittelpunkt stehen Lernen, Erfahrungsaustausch und die nachhaltige Weiterentwicklung unserer Vereins- und Jugendarbeit.

Lernen von anderen Rugbykulturen

Rugby wird in verschiedenen europäischen Ländern sehr unterschiedlich organisiert. Gerade Frankreich und Italien verfügen über Vereine mit großen Jugendabteilungen und langjähriger Erfahrung in der Ausbildung junger Spielerinnen und Spieler.

Im Rahmen sogenannter Job-Shadowing-Maßnahmen können unsere Trainer und Ehrenamtlichen mehrere Tage unmittelbar am Alltag dieser Vereine teilnehmen. Sie beobachten Trainingseinheiten, arbeiten teilweise selbst mit, tauschen sich mit Coaches und Verantwortlichen aus und lernen Organisationsstrukturen und Ausbildungskonzepte aus erster Hand kennen.

Vier Themen stehen im Mittelpunkt

Das Erasmus+-Projekt soll den HRK insbesondere in vier Bereichen weiterbringen.

1. Unsere Trainer weiterentwickeln

Unsere Jugend reicht von der U6 bis zur U18. Gerade bei Kindern geht es nicht allein darum, Rugbytechniken zu vermitteln. Gute Trainer müssen altersgerecht arbeiten, Bewegung und Spaß fördern, unterschiedliche Entwicklungsstände berücksichtigen und ein sicheres und wertschätzendes Umfeld schaffen.

Bei den Hospitationen können unsere Coaches unterschiedliche Trainingskonzepte erleben, neue Übungen kennenlernen und sich darüber austauschen, wie andere Vereine Kinder langfristig entwickeln und an den Sport binden.

2. Organisation und Strukturen verbessern

Mit einer großen Jugendabteilung wachsen auch die organisatorischen Anforderungen. Training, Trainerteams, Spieltage, Turniere, Fahrten, Kommunikation mit Eltern und viele weitere Aufgaben müssen weitgehend ehrenamtlich koordiniert werden.

Deshalb wollen wir auch lernen, wie größere europäische Rugbyvereine ihre Abläufe organisieren: Welche digitalen Werkzeuge nutzen sie? Wie koordinieren sie ihre Trainer? Wie planen sie langfristig? Und wie können Aufgaben so verteilt werden, dass ehrenamtliches Engagement dauerhaft möglich bleibt?

3. Kinder und Familien stärker einbinden

Eine erfolgreiche Jugendarbeit endet nicht auf dem Rugbyplatz. Entscheidend ist eine Gemeinschaft, in der sich Kinder wohlfühlen und Eltern und Familien aktiv am Vereinsleben teilnehmen können.

Wir wollen daher auch untersuchen, wie unsere Partnervereine neue Kinder für Rugby begeistern, wie sie Spielerinnen und Spieler langfristig binden und welche Rolle Eltern, Ehrenamtliche und das soziale Umfeld dabei spielen.

Ein besonderer Fokus liegt zudem auf Inklusion, Vielfalt und der Förderung von Mädchen im Rugby.

4. Neue Wege bei Sponsoring und Finanzierung kennenlernen

Jugendarbeit kostet Geld. Ausrüstung, Trainingsmaterial, Infrastruktur und insbesondere die vielen Fahrten unserer Teams können nicht allein über Mitgliedsbeiträge finanziert werden.

Auch hier möchten wir von anderen Vereinen lernen: Wie arbeiten sie mit lokalen Unternehmen zusammen? Welche Sponsoringmodelle funktionieren? Welche Förderprogramme werden genutzt und wie lässt sich eine langfristige finanzielle Basis für eine wachsende Jugendabteilung schaffen?

Wissen soll beim HRK ankommen

Entscheidend ist für uns nicht allein die Reise. Jede Hospitation soll einen konkreten Mehrwert für die gesamte Jugendabteilung haben.

Die Teilnehmer erhalten deshalb vor ihrer Reise individuelle Lernziele. Nach ihrer Rückkehr werden Erfahrungen, Trainingsideen und organisatorische Ansätze im Trainerteam vorgestellt und diskutiert. Geeignete Ideen sollen anschließend im HRK ausprobiert und dauerhaft in unsere Arbeit integriert werden.

So profitieren nicht nur diejenigen, die selbst reisen, sondern langfristig unsere Trainerteams und vor allem unsere Kinder und Jugendlichen.

Investition in Menschen statt in Reisen

Erasmus+ verstehen wir deshalb vor allem als Investition in die Menschen, die unseren Verein tragen.

Unsere Jugendarbeit lebt von vielen Trainern, Betreuern und Ehrenamtlichen, die Woche für Woche ihre Zeit und ihr Wissen einbringen. Mit diesem Projekt erhalten sie die Möglichkeit, über den eigenen Verein hinauszuschauen, von anderen zu lernen und sich selbst weiterzuentwickeln.

Und genau davon soll am Ende der gesamte HRK profitieren: durch besser ausgebildete Trainer, tragfähigere Strukturen, neue europäische Partnerschaften und noch bessere Bedingungen für unsere Kinder und Jugendlichen.

Dieses Projekt wird im Rahmen des Programms Erasmus+ der Europäischen Union gefördert.

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