Erstmals machte die Ruder-Bundesliga (RBL) Station in Heidelberg – und das gleich mit dem Saisonfinale. Ursprünglich sollte der letzte Renntag der Saison in Kiel stattfinden, wegen einer Terminüberschneidung wanderte er an den Neckar. Bis zum Samstagmorgen verwandelte sich die Neckarwiese an der Wasserschachtel binnen kürzester Zeit in eine kleine Sportarena: Startanlage, das Regattabüro, Gastronomiezelte und meterweise Absperrzäune säumten das Gelände, auf das ein Bootsanhänger nach dem anderen die rund 17 Meter langen Achter auslud. Aus über 14 Städten, darunter Hamburg, Berlin, Leipzig und München, waren die Teams angereist – die gesamte Ruder-Republik traf sich am Neckar.
Im Vorfeld wurde die Ausrichtung dieser Regatta im Heidelberger Regattaverband (HRV) durchaus kontrovers diskutiert. „Schaffen wir eine zweite Regatta in diesem Jahr? Spielen Helfer, Behörden und Anwohner da überhaupt mit?“ Die Neckarwiese ist mittlerweile ein Eldorado an großen Veranstaltungen geworden. Der Kompromiss bestand dann darin, dass seitens des HRV intensiv mit dem deutschen Ruderverband (DRV) verhandelt wurde: wir springen ein, gehen das Veranstaltungsrisiko mit, aber wir wollen keinen finanziellen Verlust machen. Auf dieser Grundlage wurde dann konkret geplant. Das lief dann so geschmeidig, dass einige HRK-Mitglieder noch die Idee einer Pasta-Party und einer After-Row-Party entwickelten. Diese wurde dem HRV und der RGH vorgestellt, es wurde Einvernehmen erzielt und so wurde diese Veranstaltung gemeinsam mit Einbeziehung des HRK-Klubhauses und weiteren Helfer*innen „rund gemacht“.
„Ein bisschen mulmig war uns im Vorfeld schon. Am Freitagnachmittag zwei Bootshallen leerräumen, 45 kg Nudeln und 70 Liter Soße kochen, und abends servieren, ob das alles gut geht? So etwas haben wir in dem neuen Bootshaus bislang noch nicht gemacht“. Man war aber optimistisch. 120 Portionen waren vorbestellt, weitere 50 an Helfer*innen und Nachzügler*innen kamen hinzu.
Unsere Gastronomin Uschi stellte die Achter-Küche, große Töpfe und viele nützliche Profi- Tipps zur Verfügung. Ihr Koch Sven strahlte Ruhe und Zuversicht aus und rettete zwischendurch 15 l Tomatensauce. Die ersten helfenden Hände wurden nach gemeinsamen Rudereinheiten rekrutiert. Unser neues Mitglied Rachael Kininmonth (Australien): “I am your slave the whole weekend”. Gero Focken wurde kurzfristig zum Teamleiter Bootshausaus- und -einräumen ernannt und löste diese Aufgabe souverän mit großem Team. In der Achterhalle wurden für die Pasta-Party Biertischgarnituren für 120 Personen aufgestellt. Die Ausgabetheke befand sich in Halle 3.
Zur großen Party am Samstag musste die Achterhalle wieder leergeräumt sein, der DJ richtete sein Equipment ein, die geliehenen Lampen und Boxen wurden installiert. Hier waren wir glücklich über die RGH-Kontakte von Sönke und Falk, die am Ende ein professionelles Party-Setting möglich machten.
Dass binnen eines halben Tages aus einer Wiese eine komplette Wettkampfstätte wurde, beeindruckt auch die Bundesliga-Organisatoren selbst. „Es ist total großartig, was Ihr Heidelberger in so kurzer Zeit aufgebaut habt“, lobte Carsten Böhning (DRV) die eingespielte Zusammenarbeit von Heidelberger Regatta-Verband und den Helfern der beiden ansässigen Rudervereine, Heidelberger Ruderklub (HRK) und der Rudergesellschaft Heidelberg (RGH). Sein Fazit war dann auch: „Orga top, Strecke top, Wetter top“ – lediglich der Wind habe sich zwischendurch bemerkbar gemacht.
Christina Beermann-Scheffler, Vorsitzende des ausrichtenden Heidelberger Regatta-Verbands, zog eine zufriedene Bilanz: „Es ist eine wunderbare Veranstaltung mit traumhaftem Wetter und vielen Besuchern“. Sehr viele Heidelberger Ruderinnen und Ruderer haben den Renntag tatkräftig und mit bester Laune unterstützt. „Grundsätzlich finde ich diese Sprintrennen hier auf der Neckarwiese so spannend, das könnte ich jedes Wochenende machen“, meinte sie augenzwinkernd, wurde aber gleich wieder realistisch: „ein zweites jährliches Großevent zusätzlich zur traditionellen Heidelberger Regatta können HRV, HRK und RGH organisatorisch nicht jedes Jahr leisten, zumal die RGH mit „Rudern gegen Krebs“ bereits eine weitere Benefizregatta ausrichtet“.
Vier Heidelberger Boote im Rennen
Sportlich schickte Heidelberg am Samstag gleich vier Teams ins Rennen: Neben dem Männerachter Neckar Vikings und dem Frauenachter Neckar Hexen, beide von der RGH gestellt, traten zwei Renngemeinschaften aus RGH und HRK in der Junioren-Bundesliga an, ein Juniorinnen- und ein Juniorenboot.
Am Ende reichte es für die Vikings zu Platz sieben unter 14 Männerteams am Finaltag. Die neu angetretenen Neckar Hexen wurden bei den Frauen unter acht Teams beachtliche Vierte. Auch der Nachwuchs überzeugte trotz wenig gemeinsamer Vorbereitungszeit: Der Junioren-Achter Heidel-Boys, kurzfristig aus RGH und HRK zusammengestellt, konnte zwar den einzigen Gegner Magdeburg nicht schlagen. Schlagmann Leonas Zidek von der RGH freute sich dennoch: „Immerhin sind wir Vizemeister geworden.“ Leo Neusius vom HRK kann sich eine Fortsetzung der Renngemeinschaft gut vorstellen: „Das Training hat viel Spaß gemacht.“ Das Juniorinnen-Team Heidel-Girls sicherte sich sogar Bronze in der Tageswertung.
Schön war, dass unsere HRK-Juniorinnen und -Junioren zusammen mit den Aktiven der RGH in Achtern angetreten sind und jeweils eine Medaille gewinnen konnten.
Nach der Siegerehrung ging der Tag für viele Athletinnen und Athleten noch lange nicht zu Ende: Die After-Row-Party im HRK-Bootshaus stand an: über 250 Voranmeldungen (mit Vorkasse) ließen uns zuversichtlich auf den Abend blicken. Insgesamt feierten über 300 Ruder*innen aus ganz Deutschland, Helfer*innen, DJ und Veranstalter*innen gemeinsam bis 2h morgens, seitens der vorher informierten Nachbarn gab es keine Beschwerde. Nach einem intensiven Renntag zeigte sich, was unseren Sport abseits der Stoppuhr ausmacht: ein faires und familiäres Miteinander, bei dem Konkurrenten des Nachmittags am Abend Seite an Seite anstoßen und kräftig feiern.
Text: Krissi + Tom Palm + Gabriel Neumann (RGH)
Fotos: Tom Palm und Jonas Mehnert/Ruder-Bundesliga
