Die Europameisterschaft vom 31.7. bis 2.8.2026 in Varese war eine echte Generalprobe für den deutschen Ruder-WM-Kader in Vorbereitung der Ruder-WM in dreieinhalb Wochen in Amsterdam. Die europäischen Top-Nationen Großbritannien und Niederlande haben für die EM nur wenige Meldungen abgegeben. Das erhöht im Gegenzug die Chance auf Erfolgserlebnisse, die mit ins sofort anschließende letzte Trainingslager vor dem Saisonhöhepunkt genommen werden könnten.
Lisa Gutfleisch (HRK) trat zusammen mit Sarah Wibberenz (RC Havel Brandenburg) im Doppelzweier in einem 11-Bootefeld an und war im Vorfeld selbstbewusst: „wir wollen eine Medaille, und wir werden ordentlich reinhauen“.
Nach starken ersten 1000 Metern, zeitweiliger Führung und Rang zwei im Vorlauf hinter Griechenland qualifizierten sie sich damit für das A-Finale am Samstagmorgen.
Hier gingen sie ihr Rennen mutig an und legten den drittbesten Start hin. Danach wurden sie bei den schnellen Bedingungen aber nach hinten durchgereicht und nur EM-Sechste. „Die Beiden sind ein wenig ratlos, was passiert ist. Eindeutig fehlte es an Frische in dieser Phase der WM-Vorbereitung“, sagte Bundestrainer Marcin Witkowski in einer ersten Reaktion.
Am Sonntag startete Lisa allerdings im erstmalig bei einer Europameisterschaft ausgetragenen Mixed-Achter und schrieb damit auch Rudergeschichte. Hinter dem starken rumänischen Achter wurde sie Zweite. Zusammen mit Sarah Wibberenz, Hannah Reif, Frauke Hundeling, Benedict Eggeling, Tobias Strangemann, Leonard Brahms, Rene Schmela und Steuermann Till Martini legte sie glücklich am Siegersteg an um Silber in Empfang zu nehmen.
Hintergrund für diese neue Bootsklasse ist, dass World Rowing im letzten Jahr die Einführung eines Mixed-Achters (4 Frauen, 4 Männer plus Steuermann/-frau) beschlossen und ausdrücklich mit Blick auf zukünftige Olympische Spiele vorangetrieben hat. Getestet wurde dieses bereits bei einigen Weltcups und ist sowohl in das EM- wie auch das WM-Programm aufgenommen worden. Das IOC hat die Idee positiv aufgenommen, sie aber für Los Angeles 2028 als noch zu früh bewertet. Laut Berichten gilt nun Brisbane 2032 als das realistische Ziel für eine olympische Aufnahme. Mit der Medaille im Gepäck, wenn auch nicht im Doppelzweier, kann sich Lisa nun den letzten Schliff und die notwendige Frische für Ruder WM vom 24. – 30.8.2026 in Amsterdam holen.
Text: Thomas Palm
Foto: rudern.de, sobald es aktuellere Fotos gibt, kommen diese 😉
