aus der RNZ vom 4.5.2026
Der Heidelberger RK dominiert das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft im Frauenrugby mit einem 90:5-Sieg über den SCN.
„Deutscher Meister ist nur der HRK!“, rufen die abermals siegreichen Rugbyfrauen des Heidelberger Ruderklubs nach ihrer Titelverteidigung. Der 90:5-Sieg gegen den SC Neuenheim ist auch in der Höhe verdient und zeigt eindrucksvoll die Ausnahmestellung des Klubs. Im deutschen Frauenrugby ist seit Jahren kein Vorbeikommen an der Mannschaft von Trainer Pierre Mathurin (vorne rechts). Die nimmermüden Zebras legen im Endspiel stolze 14 Versuche, von denen Kickerin Charlotte Malaizier starke zehn erhöht. Der SCN zeigt sich kämpferisch, muss aber die Überlegenheit des alten und neuen Meisters anerkennen.
„Hier – regiert – der HRK!“ schallte es über den Museumsplatz. Das Rugbyfeld an der Tiergartenstraße war nicht nur stimmlich fest in der Hand der Zebras, auch spielerisch hatte der alte und neue Deutsche Meister den Ausruf absolut verdient. Denn was die Frauenmannschaft des Heidelberger Ruderklub zuvor über 80 Minuten aufs Feld gezaubert hatte, war mit einem Wort zu beschreiben: meisterlich.
Und obgleich angesichts des überdeutlichen Resultats von 90:5 natürlich keine Spannung während der Partie aufgekommen war, bereute es doch keiner der knapp 400 Zuschauer bei bestem Rugbywetter dabei gewesen zu sein. Denn Spielniveau und Wille waren nicht nur beim Titelverteidiger, sondern auch beim unterlegenen, aber nimmermüde anrennenden SC Neuenheim über die komplette Spielzeit vorhanden.
Ohne Abtasten legten beide Seiten im Finale los. Während der SCN in der Spielfeldmitte ebenbürtig war und sich die Mannschaften im Sturm nichts schenkten, brannte es in der königsblauen Defensive stets dann, wenn der HRK nach zwei, drei Phasen schnell öffnen konnte. Sophie Hacker eröffnete zum Abschluss eines solchen Angriffs den Versuche-Reigen nach acht Minuten, Schwester Johanna legte in der 22. und 24. per Doppelpack nach und brachte die Zebras so früh auf die Siegerstraße. Diese wurde während der übrigen Stunde überdeutlich mit weiteren elf Versuchen gepflastert, was alle, die es auf und abseits des Platzes mit dem Ruderklub hielten, ins Schwärmen brachte: „Also in der Deutlichkeit hab ich das nicht erwartet, aber wir haben uns in einen richtigen Rausch gespielt und sind jede für die andere gerannt, das war der Wahnsinn!“, resümierte Johanna Hacker, die mit blitzschnellen Sprints und vier gelegten Versuchen aus dem ohnehin starken HRK-Kollektiv noch etwas hinausragte.
Der SCN hielt nach Kräften dagegen, kam aber insbesondere mit dem Tempo der Zebras regelmäßig schlicht nicht mit. Es sprach für den Team- und Kampfgeist, dass die Königsblauen dennoch fest in ihrem angestrebten System blieben und jede Möglichkeit nutzten, um auf eigene Versuche zu gehen. Ein solcher gelang Schlussspielerin Laura Schwinn, die die beste Neuenheimer Phase kurz nach der Halbzeit mit dem Ehrenversuch krönte. „Der HRK war klar besser und hat uns gezeigt, woran wir zu arbeiten haben. Ich kann meiner Mannschaft aber keinen Vorwurf machen, wir haben alles gegeben und können stolz auf die Vizemeisterschaft sein“, sagte die gefasste SCN-Kapitänin Steffi Gruber.
Dass die übrigen Möglichkeiten des SCN nicht zu Zählbarem führten, lag auch an den Wechselspielerinnen des HRK, die, obwohl das Match gefühlt längst entschieden war, rangingen, als wäre der Spielstand ausgeglichen. Soraya Hölzer-Castillo, die nach ihrer Einwechslung einen weiteren Blitzangriff über Außen abschloss, erklärte grinsend: „Die anderen haben es vorgemacht, da will man nicht nachstehen. Das ist einerseits eine Vorbildfunktion und andererseits will jede dem Trainer beweisen, dass auch sie hätte starten können.“
In die gleiche Kerbe schlug die glückliche Kapitänin Mette Zimmat: „Das ist unser Spirit. Wir spielen, wie wir trainieren, immer Vollgas. Die Zahl auf der Anzeigetafel darf keinen Unterschied machen, ich bin super stolz, wie wir das heute wieder umsetzen konnten. Und jetzt wird gefeiert!“ Ein Blick in die HRK-Gesichter machte klar: Auch dafür hatte das Aushängeschild des deutschen Frauenrugbys noch genügend Energie. Verdient war es allemal.
Text: Moritz Bayer
Foto: F&S
