Lisa Gutfleisch hat es wieder in das U-23 Deutschland-Team geschafft. Sie rudert am Samstag und Sonntag, 5. und 6. September, in Duisburg gemeinsam mit Zweier-Partnerin Marie-Sophie Zeidler um das beliebte Wedau-Gold. Die European Rowing Championship U23 lockt Sportler und Sportlerinnen aus 35 Nationen auf die Regattabahn im Sportpark Duisburg. Dort winkt schon jetzt eine Art Talentschau mit Blick auf die Olympischen Spiele 2024 in Paris. Aufgrund der strikten Corona-Richtlinien dürfen Verwandte und Fans dieses Jahr leider nicht zum Anfeuern nach Duisburg anreisen. Das HRK-Presseteam traf Lisa Gutfleisch deshalb vorab in einem Café in Neuenheim:

Sie stochert in ihrer Tagliatelle – nimmt einen Bissen, dann plaudert sie über ihre sportlichen Ziele, die Zeit in den USA und in ihre Heimat Heidelberg sowie das Changieren zwischen Studium und Leistungssport. Viel Zeit zum genüsslichen Essen nimmt sich Lisa Gutfleisch nicht, wobei sie doch gerade noch unverkennbar auf dem Neckar kraftvoll durchzog – im Einer. Ihre schwarz-rot-gold-gestreiften Deutschlandskulls konnte man bereits von der Theodor-Heuss-Brücke aus erkennen – ein klares Lisa-Indiz. Und jetzt kein Hunger, nach dem Training? Doch! Aber manchmal vergesse sie das Essen einfach, so die 21-Jährige Leistungssportlerin aus dem „HRK-Stall“.

Genuss kommt nach der Arbeit – und vielleicht nicht mal da. Denn die Zeit NACH dem Training ist bekanntlich jene VOR dem Training. Doch Kondition, Koordination und Kraft sitzen – sowie der Wille: „Unser Ziel ist es, zumindest ein ,Blech‘ in Duisburg zu gewinnen“, sagt Lisa selbstsicher. Und das „aufeinander Einspielen“ mit Ruderpartnerin Marie-Sophie, der Schwester von Einer-Weltmeister Oliver Zeidler, trainierte Lisa in den letzten Wochen ausgiebig – unter den Augen von Hans-Johann Färber, Ruderlegende und Opa von Marie-Sophie Zeidler. „Gibt’s da beim Training eigentlich eine Art ,Familienbonus’ für Marie-Sophie?“, möchten wir wissen. „Nein, ganz im Gegenteil. Ich hatte das Gefühl, dass eher Marie-Sophie kritisch beäugt wird. Im Training ging’s schon sehr professionell zu“, so die 21-Jährige.

Positionsfrage: Eins oder Zwei? Da Marie-Sophie Zeidler bei der Qualifikation Anfang August in Hamburg nach ein paar Durchläufen – ein recht kompliziertes Auswahlsystem – schon für den Zweier gesetzt war, hatte Lisa, die sich erst später beweisen konnte, nicht wirklich eine Positionswahl. Sie sitzt nun in Duisburg auf „Co-Schlag“. „Doch das ist nicht schlimm“, meint Lisa. Schließlich sei sie flexibel, was Bootspositionen angeht. Was zählt, ist das Gesamtergebnis. Und da scheint die 21-Jährige fast schon ein „alter Hase“ im Championship-Geschäft zu sein: 2019 konnte sie den 4. Platz bei den U23-Weltmeisterschaften im Doppelzweier mit Nora Peuser klarmachen, 2018 schaffte sie im B-Finale der U23-Weltmeisterschaften den ersten Platz im Frauen-Einer, weitere U19-Championship-Erfolge bilden das stabile Fundament.

Und wie schaut’s mit ihrer Studienheimat Texas aus, wo Lisa ein Sportstipendium erhielt? In die Vereinigten Staaten geht’s aufgrund der allgemein bekannten Coronalage in den USA erst wieder nächstes Jahr. Klar, vermisse sie vereinzelt Freunde und auch das Training sowie den amerikanischen Teamgeist an der Uni – das fehle ihr in Deutschland schon etwas. Auf der anderen Seite freue sie sich, etwas länger hier zu verweilen – in ihrer Heimat, Heidelberg, dem HRK.

Wir drücken Lisa Gutfleisch schon mal beide Daumen für die Ruder-EM am Wochenende!
Fingers crossed! ^^

Von Katharina Eppert